Onlineshops locken mit Versandpauschalen für ein Jahr: Flatrates mit Haken und Ösen
31. Mai 2010Einmal Versandkosten bezahlen – und ein Jahr lang nach Herzenslust bestellen. Mit diesem Versprechen fesseln immer mehr Onlineshops ihre Kunden. Doch die Flatrates rechnen sich längst nicht für jeden, warnt die Verbraucherzentrale NRW.
Versandkosten sind kaum noch durchschaubar. Ungezählte Internetläden berechnen sie nach eigenem Gusto: mal nach Menge oder Gewicht, mal nach der Zahlweise des Kunden (Vorkasse oder Nachnahme) oder nach den Ausmaßen der Ware. So kann etwa die Verschickung einer Waschmaschine gratis erfolgen oder aber mit bis zu 50 Euro zu Buche schlagen.
Gegen diesen Preisdschungel sollen neuerdings Flatrates helfen. Immer mehr Onlineshops liefern ihre Produkte zum einmal jährlich zu entrichtenden pauschalen Einheitspreis: egal, ob sie DVDs oder Kleidung, Autoteile oder Spreewaldgurken verhökern.
Dick im Flatrate-Geschäft ist der Onlinehändler Amazon. Kunden zahlen für “Amazon Prime” 29 Euro – und können in der Folge für ein Jahr Pakete empfangen. Eingeschlossen sind die Bestellungen von “bis zu 4 weiteren Personen aus einem Haushalt”.
Doch Obacht. Was die Kundenbindung fördern und den Umsatz weiter ankurbeln soll, wird für Verbraucher zum Rechenexempel. Denn bei vielen Produkten, etwa Büchern oder Blu-Rays, fallen bei Amazon überhaupt keine Versandkosten an. Für andere Bestellungen, etwa CDs und DVDs, PC-Spiele und Technikartikel, zahlt der Kunde nur bei Bestellungen unter 20 Euro Portokosten von jeweils drei Euro. Prime-Kunden müssten also schon zehn dieser Billigartikel kaufen, um mit der Flatrate ihren ersten Euro zu sparen.
Manko zudem: Für viele Einkäufe gilt die Prime-Flatrate nicht. Außen vor bleiben etwa Geschäfte im so genannten Marketplace, wenn Kooperationshändler nicht direkt über Amazon liefern. Weiterhin Versandkosten berappen muss auch, wer seine Lieferadresse im Ausland hat. Mit jeweils fünf Euro zusätzlich dabei sind Prime-Kunden, die Eil-Lieferungen per Overnight-Express (bis zwölf Uhr des nächsten Tages) benötigen.
Schneller rechnet sich da die 15-Euro-Flatrate des Versandhauses Baur. Schon mit der dritten “Normallieferung” (jeweils für 5,95 Euro) binnen eines Jahres sind Baur-Kunden im Plus. “Selbst Aufschläge für große und sperrige Artikel fallen komplett weg”, verspricht das Unternehmen. Wer also einen Fernseher oder ein Sofa ordert, zahlt schon beim ersten Mal mit Flatrate deutlich weniger: der bekommt seine Lieferung für 15 statt 25,90 Euro – und kann ein weiteres Jahr versandkostenfrei einkaufen.
Doch auch hier umfasst die Pauschale nicht alles: Eilige und punktgenaue Lieferung, sprich Aufschläge für 24-Stunden-Service und Wunschtermin sind weiterhin zu entrichten. Zudem sind Sammelbesteller, die mehr als fünf Prozent Provision erhalten, von der Baur-Flatrate ausgenommen.
Amazon und Baur sind nicht allein. Auch Konkurrenten wie Otto, Tchibo und Neckermann haben bereits erste Testerfahrungen mit Versandpauschalen gesammelt und grübeln derzeit über ein Angebot.
Schon weiter sind da einige Spezialversender. Wer sich beispielsweise bei Spielekiosk.de mit PC-Games und -Zubehör eindecken will und die Flatrate für 29,99 Euro in Anspruch nimmt, spart bei herkömmlichen Versandkosten von 5,99 Euro mit der sechsten Bestellung die ersten Euros. Obendrauf kommen allerdings, anders als bei Baur, Kosten “für Speditionsversand”. Zudem kassiert der Shop extra für harte und schlüpfrige “ab 18 Bestellungen”.
Nachnahmegebühren (4,50 Euro) und Zustellentgelte (2 Euro) an den Paketdienst sind für Autoersatzteile von Akf-Shop.de extra zu entrichten. Für Normalbesteller lohnt die 29 Euro teure Flatrate ab der fünften Order, vorausgesetzt sie liegt unter 100 Euro. Ab dieser Bestellsumme nämlich sind Lieferungen des Akf-Shop stets kostenlos.
Auch wer Gurken bei Spreewald-Praesente.de ordert, den soll eine Flatrate von 29 Euro zum Dauerschlemmer machen. Kunden müssen jedoch eine Lieferadresse in Deutschland benennen, ebenso wie Putzfimmel-Verdächtige, die sich für jährlich 17,50 Euro ihre Topfreinigungs-Mittel regelmäßig bei anti-oxydim.de beschaffen.
Für alle Flatrates gilt der Rat der Verbraucherzentrale: Allein wer heute schon weiß, wie viel er im nächsten Jahr mindestens ordern will, wer auf Haken und Ösen achtet, kann mit Versandkosten-Flatrates sparen.

Nils Wendt Januar 17th, 2011 at 14:27
Hallo Zusammen,
ich finde den Artikel sehr interessant und informativ. Als kleines Update: Bei http://www.anti-oxydim.de wurde die Versand-Flatrate für die Artikel zur Messingreinigung und alle anderen reduziert: Sie beträgt nur noch 12,50 € für 12 Monate.